Kennt ihr dieses Gefühl, wenn man mitten am Tag kurz die Augen schließt und sich plötzlich in einer ganz anderen Welt wiederfindet? Eine Welt, in der nicht der Partner auf dem Sofa sitzt, sondern dieser eine Kollege aus dem Büro, oder vielleicht auch eine völlig fremde Person, die man neulich im Supermarkt getroffen hat? Man stellt sich Berührungen vor, tiefe Blicke, vielleicht sogar noch viel mehr. Und wenn man die Augen wieder öffnet, klopft das Herz ein bisschen schneller und man fühlt sich irgendwie ertappt. Aber warum eigentlich? Hat man gerade schon etwas falsch gemacht?
Ich frage mich das in letzter Zeit wirklich oft. Wo fängt Fremdgehen eigentlich an? Ist es erst Betrug, wenn sich Haut auf Haut trifft? Oder beginnt der Vertrauensbruch schon viel früher, nämlich genau in diesem Moment, in dem wir unsere Gedanken für jemand anderen öffnen? Manchmal liege ich abends im Bett, höre den gleichmäßigen Atem meines Partners und fühle mich unglaublich schlecht, nur weil meine Gedanken tagsüber abgeschweift sind. Ist das normal? Gehört die Fantasie nicht eigentlich mir ganz allein? Es heißt doch immer, die Gedanken sind frei. Aber gilt das auch in einer festen, treuen Beziehung?
Vielleicht ist es ja auch eine Art Ventil. Kann es sein, dass uns diese kleinen mentalen Ausflüge sogar dabei helfen, im Alltag treu zu bleiben? Dass sie wie ein kleiner Urlaub für den Kopf sind, von dem man danach wieder gerne nach Hause kommt? Oder ist das nur eine billige Ausrede, die ich mir selbst einrede, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen? Ich weiß es einfach nicht. Wo zieht ihr da die Grenze? Wenn mein Partner nachts von einer anderen Frau träumt und vielleicht sogar ihren Namen murmelt, würde mich das verletzen? Ja, wahrscheinlich schon. Es würde sich verdammt real anfühlen. Aber kann ich von ihm verlangen, dass er sogar seine Träume und Gedanken kontrolliert? Das ist doch völlig unmöglich, oder?
Es ist so ein schmaler Grat. Wenn aus den flüchtigen Gedanken eine regelrechte Sehnsucht wird, wenn man sich im Kopf eine ganze Parallelwelt aufbaut, in die man sich immer öfter flüchtet, ist das dann nicht eigentlich schon der Anfang vom Ende? Ist der emotionale Betrug im Kopf manchmal nicht sogar viel schmerzhafter als ein betrunkener, bedeutungsloser One-Night-Stand? Was meint ihr dazu, ist das für euch schon Fremdgehen oder einfach nur menschlich?
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